LION-Technik zur Wiedererlangung von pelvinen Funktionen

Ein drittes Gebiet der Neuropelveologie beschäftigt sich mit der Wiedererlangung von pelvinen Funktionen durch Elektrostimulation der notwendigen Nerven. Bei inkompletter Nervenläsion im Bereich der Kontinenz kann eine elektrische Stimulation des intakten Restnervs eine Sphincterkontraktion mit Erhalt der Kontinenz bewirken. Bei einer Blasensphinkterdyssynergie (disharmonische Sphincter-Blasen-Darmkontraktion) kann entweder Botox in die Blase instilliert werden, aber ebenso kann eine Stimulation des Nervus pudendus /der Sacralwurzeln eine Blasenrelaxierung bewirken. Dies hat eine Verringerung des Blasendrucks zur Folge mit Protektion der Nieren.

Bei gelähmten Patientin mit Rückenmarksläsion kann die Information nicht vom zentralen Nervensystem in die Peripherie gelangen, obwohl die peripheren pelvinen Nerven nicht zerstört sind und in der Lage wären, Muskeln, Darm und Blase zu stimulieren. Funktionelle Elektrostimulation – FES – der pelvinen Nerven kann bei der Wiederherstellung der Funktionen helfen: Wir entwickelten die Technik der „Laparoscopic Implantation Of Neuroprothesis“ – LION-Technik; dabei werden Elektroden per Laparoskopie auf die pelvinen Nerven implantiert zur Wiedererlangung der Blasen- und Darmfunktionen, bei Männern auch der Erektions- und Ejakulationsfähigket. Im Februar 2006 führten wir die weltweit erste laparoskopische Elektrodenimplantation (auf die Sacralwurzel) bei einer querschnittsgelähmten Frau durch, die seitdem wieder mithilfe eines Telecommanders Blase und Darm entleeren kann. 2003 führten wir auch die weltweit erste Elektrodenimplantation durch zur Wiedererlangung der Stand- und Gangfunktion bei einem querschnittsgelähmten Patienten (siehe „News und Newsletter / Presse“ > „LION procedure in a paralyzed patient for recovery deambulation-Brindisi 2003").

Das LION-Verfahren ist bei Kindern mit Spina bifida die einzige chirurgische Methode zur Elektrodenimplantation auf pelvine Nerven. Diese Technik ist die einzige Hoffnung für diese Kinder hinsichtlich der Wiederherstellung der Blasen- und Darmfunktion oder wenigstens zur Therapie der Blasenhyperaktivität.